Die neue Rente mit 63 – mit 45 Jahren abschlagsfrei in Rente

Die neue Rente mit 63 – mit 45 Jahren abschlagsfrei in Rente

Das Bundeskabinett hat den geänderten Gesetzesentwurf am 23.05.2014 verabschiedet und das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eingeleitet. Dieses soll im Juni 2014 abgeschlossen sein.

Nach der geplanten Sonderregelung sollen Versicherte der Geburtsjahrgänge bis 1952 eine abschlagsfreie Rente ab 63 erhalten können. Für ab 1953 Geborene wird das Zugangsalter vom 63., stufenweise jeweils in 2 Monatsschritten, auf das 65. Lebensjahr angehoben. Für 1953 Geborene erfolgt die Anhebung auf 63 Jahre und 2 Monate, für 1954 Geborene auf 63 Jahre und 4 Monate usw. und für 1964 Geborene auf das 65. Lebensjahr.

Voraussetzung ist die Erfüllung einer Wartezeit von 45 Jahren. Insbesondere folgende Zeiten sollen mitzählen:

  • Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung
  • Zeiten der geringfügigen, nicht versicherungspflichtigen Beschäftigung (anteilige Berücksichtigung)
  • Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus selbständiger Tätigkeit
  • Zeiten der Wehr- oder Zivildienstpflicht
  • Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen
  • Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes
  • Zeiten des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung
  • Zeiten des Bezugs von Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld und Winterausfallgeld
  • Zeiten des Bezugs von Insolvenzgeld und Konkursausfallgeld (Zahlungsunfähigkeit  des Arbeitgebers)
  • Ersatzzeiten
  • Neu: Zeiten mit freiwilligen Beiträgen, wenn mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung bzw. selbständigen Tätigkeit vorhanden          sind, wobei die freiwilligen Beiträge in den letzten 2 Jahren vor Rentenbeginn nicht mitgezählt werden, wenn gleichzeitig eine Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit vorliegt
  • Zeiten, in denen Arbeitslosengeld, Teilarbeitslosengeld, Leistungen bei Krankheit (z.B. Krankengeld, Verletztengeld) oder Übergangsgeld bezogen wurde.
  • Neu: Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld in den letzten 2 Jahren vor Rentenbeginn zählen nur mit, wenn diese Folge einer Insolvenz oder vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers sind.

Nicht berücksichtigt werden bestimmte Anrechnungszeiten (zum Beispiel wegen eines Schul-, Fachschul- oder Hochschulbesuchs), Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II, Zurechnungszeiten und zusätzliche Wartezeitmonate aufgrund eines Versorgungsausgleichs oder Rentensplittings.

Im Vergleich zu den bisherigen Gesetzesentwürfen kann nun eine freiwillige Beitragszahlung interessant sein, um eventuell fehlende Monate aufzufüllen.

Weitere Voraussetzung für diese Rentenart ist die Einhaltung bestimmter Hinzuverdienstgrenzen. Für den Bezug der Altersvollrente darf der monatliche Hinzuverdienst 450,00 € nicht überschreiten. Ab Erreichen der Regelaltersgrenze kann wieder unbegrenzt hinzuverdient werden.

Wer 63 oder älter ist und bislang noch keine Altersrente bezieht, soll diese Rente ab 01.07.2014 erhalten können.

Wer bereits einen Antrag auf eine Rente mit Abschlägen gestellt hat, kann diesen Antrag zurücknehmen, solange der Bescheid noch mit Widerspruch angefochten werden kann.

Verfasserin Rechtsanwältin Karmin Streicher

Spezialistin auf dem Gebiet der gesetzlichen Rentenversicherung, Starnberg

Veröffentlicht am am 6.6.2014 im Münchner Merkur.